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Astgabel
Das Märchen von der verlorenen Astgabel, der Unschuld, und den Gebeinen des Heiligen Valentin 
Eigentlich: 
Das Mädchen, das seinen Namen nicht mochte und niemals aussprach

8

9/4/2017

 

Wenn ich ein neue Leben anfange, was ich sicher irgendwann tun werde, muß ich zuallererst lernen, wie ich meine Geschichten erzählen kann. Wie ich die Menschen finde und verführe, die mit Ohren begabt sind.
So absonderlich es klingt, ein paar Handbreit unter meiner Schlafstätte, im Boden, liegen die Gebeine des Heiligen Valentin. Mich erschreckt das nicht. Oft genug finde ich keinen Schlaf. Er schläft sowieso nie. Dann schaut er zu mir herauf, und ich schaue ihn an. Natürlich ist er ein Gerippe, und in seinen Augenhöhlen ist Erde. Trotzdem schaut er so freundlich drein wie kaum ein Mensch. Er findet nichts dabei, sich niemals rühren zu können, und die Last der Erde empfindet er nicht. Mein Gewicht aber, wenn ich mich niederlege, spürte er und mag er. Es sei meine Körperwärme, sagt er, die es ihm behaglich macht. Man kann ja ohne Wärme leben, sagt er, aber er wäre nicht er, wenn ihn ein bißchen Wärme nicht anzöge. Er ist auch einer, der nur so belassen werden will, wie er ist. Ich dürfte nicht nach ihm graben. Es wäre ihm schrecklich, wenn ich seine feuchten Knochen berühren würde. Seine Einsamkeit ist sein. Aber ein bißchen reden kann man, und einander ansehen. Wenn ich nicht schlafen kann, ist er immer da, immer darf ich ihn ansprechen. Das Allerschönste war, als ich einmal bei Tag auf mein Lager geflüchtet war, die Augen voll Tränen, und mein Gesicht wollte sich verbergen, sich ganz tief eingraben. Da hat er zu mir gesprochen, mit Worten, die nichts bewegt haben, man hat sie gar nicht hören können. Sie haben 
aber eine Hülle um mich gesponnen, die mein Zuhause war. Der Heilige versteht es, mich zu trösten. Noch niemals hat er mir widersprochen, dabei hab ich schon so viel Blödes von mir gegeben. Langmut ist es, was er hat; Langmut und Liebe.


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